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Verordnung zum Satellitendatensicherheitsgesetz (Satellitendatensicherheitsverordnung - SatDSiV)

V. v. 26.03.2008 BGBl. I S. 508 (Nr. 12); zuletzt geändert durch Artikel 1 V. v. 30.07.2014 BGBl. I S. 1314
Geltung ab 05.04.2008; FNA: 700-6-1 Wirtschaftsverwaltung
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Eingangsformel



Auf Grund des § 2 Abs. 2 des Satellitendatensicherheitsgesetzes vom 23. November 2007 (BGBl. I S. 2590) und auf Grund des § 17 Abs. 3 Satz 1 des Satellitendatensicherheitsgesetzes im Einvernehmen mit dem Auswärtigen Amt, dem Bundesministerium des Innern und dem Bundesministerium der Verteidigung verordnet das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie:


§ 1 Daten mit besonders hohem Informationsgehalt



(1) Ein Sensor eines Erdfernerkundungssystems ist alleine oder in Kombination mit einem oder mehreren Sensoren technisch in der Lage, Daten mit besonders hohem Informationsgehalt zu erzeugen, wenn in mindestens einer Raumrichtung eine geometrische Auflösung von 2,5 Metern oder weniger erzeugt werden kann.

(2) Ein besonders hoher Informationsgehalt ist auch gegeben, wenn

1.
im Spektralbereich von 8 bis 12 Mikrometern (thermisches Infrarot) in mindestens einer Raumrichtung eine geometrische Auflösung von 5 Metern oder weniger erzeugt werden kann,

2.
im Spektralbereich zwischen 1 Millimeter und 1 Meter (Mikrowellen) in mindestens einer Raumrichtung eine geometrische Auflösung von 3 Metern oder weniger erzeugt werden kann oder

3.
die Zahl der Spektralkanäle 49 übersteigt (super- und hyperspektrale Sensoren) und in mindestens einer Raumrichtung eine geometrische Auflösung von 10 Metern oder weniger erzeugt werden kann.


§ 2 Sensitive Anfragen



(1) Eine Anfrage der Bundesrepublik Deutschland nach § 21 des Satellitendatensicherheitsgesetzes oder einer deutschen militärischen oder nachrichtendienstlichen Behörde ist nicht sensitiv.

(2) Im Übrigen ist eine Anfrage sensitiv, wenn

1.
die Daten an ein Bodensegment übermittelt werden sollen, das nicht von der NATO, der Europäischen Union, einem Mitgliedstaat der NATO oder der Europäischen Union, Australien, Japan, Neuseeland oder der Schweiz betrieben wird und sich auf dem Staatsgebiet eines Landes befindet, das in Anlage 1 aufgeführt ist, oder

2.
das dargestellte Zielgebiet nicht in Anlage 2 aufgeführt ist, die Daten in mindestens einer Raumrichtung eine geometrische Auflösung von 2,5 Metern oder weniger haben und

a)
das dargestellte Zielgebiet in Anlage 3 aufgeführt ist, oder

b)
die Person des Anfragenden nicht in Anlage 4 aufgeführt ist, der Zeitraum zwischen der Erzeugung der Daten und der Bedienung der Anfrage weniger als fünf Tage beträgt und

aa)
die Daten in mindestens einer Raumrichtung eine geometrische Auflösung von 1,2 Metern oder weniger haben oder

bb)
sich aus den Daten (neben der Radarintensität auch) Phaseninformation rekonstruieren lässt

oder

3.
Daten im Spektralbereich von 8 bis 12 Mikrometern (thermisches Infrarot) oder mit einem super- oder hyperspektralen Sensor erzeugt werden.

(3) Der Prüfablauf zur Bestimmung sensitiver Anfragen nach Absatz 1 und 2 ist in Anlage 5 als Abfolge der Entscheidungsschritte in einem Flussdiagramm dargestellt.


§ 3 Inkrafttreten



Die Verordnung tritt am Tag nach der Verkündung*) in Kraft.




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*)
Anm. d. Red.: Die Verkündung erfolgte am 4. April 2008.


Anlage 1 (zu § 2 Abs. 2 Nr. 1) Bodenstationsnegativliste


Anlage 1 wird in 1 Vorschrift zitiert

Staatsgebiet Armenien Staatsgebiet Aserbaidschan

Staatsgebiet Côte d'Ivoire

Staatsgebiet Demokratische Volksrepublik Korea (Nordkorea)

Staatsgebiet Irak

Staatsgebiet Islamische Republik Iran

Staatsgebiet Kongo

Staatsgebiet Kuba

Staatsgebiet Libanon

Staatsgebiet Liberia

Staatsgebiet Republik Moldau

Staatsgebiet Myanmar

Staatsgebiet Ruanda

Staatsgebiet Sierra Leone

Staatsgebiet Simbabwe

Staatsgebiet Somalia

Staatsgebiet Sudan

Staatsgebiet Arabische Republik Syrien

Staatsgebiet Turkmenistan

Staatsgebiet Usbekistan

Staatsgebiet Weißrussland


Anlage 2 (zu § 2 Abs. 2 Nr. 2) Gebietspositivliste


Anlage 2 wird in 4 Vorschriften zitiert

Antarktischer Kontinent und angrenzende Meere (alle Gebiete südlich von -60° geographischer Breite)

Nordpolarer Teil der Arktis (alle Gebiete nördlich von 84° geographischer Breite)


Anlage 3 (zu § 2 Absatz 2 Nummer 2 Buchstabe a) Gebietsnegativliste



Staatsgebiet Afghanistan

Staatsgebiet Armenien

Staatsgebiet Aserbaidschan

Staatsgebiet Äthiopien

Staatsgebiet Bosnien-Herzegowina

Staatsgebiet Dschibuti

Staatsgebiet Eritrea

Staatsgebiet Georgien

Staatsgebiet Irak

Staatsgebiet Israel und palästinensische Autonomiegebiete

Demokratische Republik Kongo

Kosovo/UNMIK (VN-Resolution 1244 (1999))

Staatsgebiet Libanon

Staatsgebiet Mali

Staatsgebiet Republik Moldau

Staatsgebiet Senegal

Staatsgebiet Somalia

Staatsgebiet Sudan

Staatsgebiet Südsudan

Staatsgebiet Syrien

Staatsgebiet Tschad

Staatsgebiet Ukraine

Staatsgebiet Usbekistan

Westsahara

Staatsgebiet Zentralafrikanische Republik

Staatsgebiet Zypern




Anlage 4 (zu § 2 Abs. 2 Nr. 2 Buchstabe b) Empfängerpositivliste


Anlage 4 wird in 1 Vorschrift zitiert

1.
Sicherheitsbehörden (militärische, nachrichtendienstliche, polizeiliche) der NATO, der Europäischen Union oder eines ihrer Mitgliedstaaten auf nationaler Ebene.

2.
Sicherheitsbehörden (militärische, nachrichtendienstliche, polizeiliche) von Australien, Japan, Neuseeland oder der Schweiz auf nationaler Ebene.

3.
Personen,

a)
die von einer Sicherheitsbehörde nach Nummer 1 oder 2 durch Erklärung gegenüber dem Datenanbieter ermächtigt sind, Daten in deren Auftrag anzufragen,

b)
deren Ermächtigung nach Buchstabe a vom Datenanbieter gegenüber dem Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle angezeigt worden ist,

c)
die zusichern, die Datenanfrage innerhalb des Auftrags der jeweiligen Sicherheitsbehörde zu stellen und die Daten oder die aus ihnen abgeleiteten Dienstleistungen ausschließlich zur Weitergabe an die jeweilige Sicherheitsbehörde zu nutzen, und

d)
bei denen dem Datenanbieter keine tatsächlichen Anhaltspunkte für begangene oder bevorstehende Verstöße gegen ihre Zusicherung nach Buchstabe c vorliegen.


Anlage 5 (zu § 2 Abs. 1 und 2) Übersicht über den Prüfablauf


Anlage 5 wird in 1 Vorschrift zitiert

Übersicht über den Prüfablauf (BGBl. 2008 I S. 511)