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Gesetz zur Erhaltung des Waldes und zur Förderung der Forstwirtschaft (Bundeswaldgesetz - BWaldG k.a.Abk.)

G. v. 02.05.1975 BGBl. I S. 1037; zuletzt geändert durch Artikel 1 G. v. 17.01.2017 BGBl. I S. 75
Geltung ab 08.05.1975; FNA: 790-18 Forstwirtschaft
5 frühere Fassungen | wird in 17 Vorschriften zitiert

Drittes Kapitel Forstwirtschaftliche Zusammenschlüsse

Abschnitt III Forstbetriebsverbände

§ 21 Begriff und Aufgabe



(1) Forstbetriebsverbände sind Zusammenschlüsse von Grundstückseigentümern in der Form von Körperschaften des öffentlichen Rechts, die den in § 16 bezeichneten Zweck verfolgen.

(2) 1Für die Aufgabe gilt § 17 entsprechend. 2Sie kann nicht auf die gemeinschaftliche Durchführung einheitlicher Betriebspläne erstreckt werden.


§ 22 Voraussetzungen für die Bildung eines Forstbetriebsverbandes



(1) Ein Forstbetriebsverband kann nur für forstwirtschaftlich besonders ungünstig strukturierte Gebiete gebildet werden.

(2) Weitere Voraussetzungen sind, daß

1.
der Zusammenschluß nach Größe, Lage und Zusammenhang der in Betracht kommenden Grundstücke eine wesentliche Verbesserung der Bewirtschaftung ermöglicht;

2.
der Zusammenschluß einen wesentlichen Wettbewerb auf dem Holzmarkt bestehen läßt;

3.
mindestens zwei Drittel der Grundstückseigentümer, die zugleich mindestens zwei Drittel der Fläche vertreten, der Bildung zustimmen;

4.
eine an alle betroffenen Grundstückseigentümer gerichtete Aufforderung der nach Landesrecht zuständigen Behörde, eine Forstbetriebsgemeinschaft (Abschnitt II) zu gründen, ohne Erfolg geblieben ist.

(3) 1Bei der Aufforderung nach Absatz 2 Nr. 4 hat die Behörde eine Frist zu setzen. 2Die Frist soll in der Regel ein Jahr betragen und darf zwei Jahre nicht überschreiten.

(4) Grundstücke, die besonderen öffentlichen Zwecken dienen oder zu dienen bestimmt sind, können nur mit Einwilligung der Nutzungsberechtigten in einen Forstbetriebsverband einbezogen werden.


§ 23 Bildung eines Forstbetriebsverbandes



(1) Zur Bildung eines Forstbetriebsverbandes hält die nach Landesrecht zuständige Behörde eine einleitende Versammlung ab, stellt einen Satzungsentwurf und ein vorläufiges Verzeichnis der beteiligten Grundstücke und ihrer Eigentümer auf und beruft die Gründungsversammlung ein.

(2) Die Satzung bedarf der Genehmigung der nach Landesrecht zuständigen Behörde.

(3) Der Forstbetriebsverband entsteht mit der öffentlichen Bekanntmachung der Satzung.

(4) 1Die Landesregierungen werden ermächtigt, Einzelheiten des Gründungsverfahrens, der Genehmigung und Bekanntmachung der Satzung durch Rechtsverordnung zu regeln. 2Die Landesregierungen können diese Ermächtigung auf oberste Landesbehörden übertragen.


§ 24 Mitgliedschaft



(1) 1Mitglieder eines Forstbetriebsverbandes sind die Eigentümer der beteiligten Grundstücke. 2Ist ein anderer als der Eigentümer Nutzungsberechtigter, so kann er für die Dauer seines Nutzungsrechtes mit Einverständnis des Eigentümers dessen Rechte und Pflichten übernehmen. 3Die Übernahme der Rechte und Pflichten ist ebenso wie das Einverständnis des Eigentümers schriftlich gegenüber dem Forstbetriebsverband zu erklären.

(2) Die Satzung kann den Beitritt weiterer Mitglieder zulassen.


§ 25 Satzung



(1) Die Satzung wird von den Mitgliedern mit der in § 22 Abs. 2 Nr. 3 bezeichneten Mehrheit beschlossen.

(2) Die Satzung des Forstbetriebsverbandes muß Vorschriften enthalten über:

1.
seinen Namen und seinen Sitz;

2.
seine Aufgabe;

3.
die Rechte und Pflichten der Mitglieder;

4.
das Stimmrecht der Mitglieder;

5.
seine Verfassung, seine Verwaltung und seine Vertretung;

6.
den Maßstab für die Umlagen und die Bemessungsgrundlage für Beiträge;

7.
das Haushaltswesen, die Wirtschafts- und Kassenführung sowie die Rechnungsführung;

8.
die Verwendung des Vermögens bei Auflösung des Forstbetriebsverbandes.

(3) Die Vorschriften des § 18 Abs. 1 Nr. 3 Buchstabe e und Absatz 2 gelten entsprechend.


§ 26 Organe des Forstbetriebsverbandes



Organe des Forstbetriebsverbandes sind die Verbandsversammlung, der Vorstand und, sofern es die Satzung vorsieht, der Verbandsausschuß.


§ 27 Aufgaben der Verbandsversammlung



1Die Verbandsversammlung wählt den Vorstand und dessen Vorsitzenden. 2Sie beschließt über

1.
die Höhe der Umlagen und Beiträge;

2.
den Haushaltsplan, die Jahresrechnung und die Verwendung von Erträgen;

3.
die Entlastung des Vorstandes;

4.
die Änderung der Satzung;

5.
den Erwerb, die Veräußerung und die Belastung von Grundstücken durch den Forstbetriebsverband;

6.
die Auflösung des Forstbetriebsverbandes;

7.
die ihr in der Satzung zugewiesenen Angelegenheiten.


§ 28 Vorsitz in der Verbandsversammlung, Einberufung und Stimmenverhältnis



(1) Den Vorsitz in der Verbandsversammlung führt der Vorsitzende des Vorstandes.

(2) 1Der Vorsitzende hat die Verbandsversammlung jährlich mindestens einmal einzuberufen. 2Er muß sie einberufen, wenn dies von mindestens zwei Zehnteln der Mitglieder oder von der Aufsichtsbehörde schriftlich unter Angabe der Tagesordnung verlangt wird.

(3) 1Das Stimmrecht der Mitglieder ist nach der Größe ihrer Grundstücke in der Satzung festzulegen. 2Jedes Mitglied hat mindestens eine Stimme. 3Kein Mitglied darf mehr als zwei Fünftel der Gesamtstimmen haben. 4Die Verbandsversammlung beschließt mit Mehrheit der abgegebenen Stimmen, soweit in diesem Gesetz oder in der Satzung nichts anderes bestimmt ist.


§ 29 Vorstand



(1) Der Vorstand des Forstbetriebsverbandes besteht aus dem Vorsitzenden und mindestens zwei weiteren Mitgliedern.

(2) 1Der Vorstand führt die Geschäfte des Verbandes. 2Er vertritt ihn gerichtlich und außergerichtlich.


§ 30 Verbandsausschuß



1In der Satzung kann bestimmt werden, daß ein Verbandsausschuß gebildet wird. 2Diesem können in der Satzung unbeschadet des § 27 Angelegenheiten von geringerer Bedeutung zur Beschlußfassung zugewiesen werden. 3Ferner kann bestimmt werden, daß der Verbandsausschuß bei bestimmten Verwaltungsaufgaben des Vorstandes mitwirkt.


§ 31 Änderung der Satzung



(1) Über eine Änderung der Satzung beschließt die Verbandsversammlung mit einer Mehrheit von mindestens zwei Dritteln der Stimmen aller Mitglieder.

(2) 1Die Satzungsänderung bedarf der Genehmigung der nach Landesrecht zuständigen Behörde. 2Die Änderung wird mit ihrer öffentlichen Bekanntmachung wirksam.


§ 32 Ausscheiden von Grundstücken



(1) Grundstücke, deren forstwirtschaftliche Nutzung oder Bestimmung sich auf Grund einer Rechtsvorschrift oder einer behördlichen Anordnung oder Erlaubnis endgültig ändert, scheiden aus dem Verbandswald mit der Beendigung der Umwandlung aus.

(2) 1Im übrigen bedarf das Ausscheiden eines Grundstücks aus dem Verbandswald der Genehmigung der nach Landesrecht zuständigen Behörde. 2Die Genehmigung darf nur erteilt werden, wenn ein wichtiger Grund vorliegt. 3Sie ist zu versagen, wenn das Ausscheiden die Durchführung der Aufgabe des Forstbetriebsverbandes gefährden würde. 4Für die in § 22 Abs. 4 bezeichneten Grundstücke ist die Genehmigung zu erteilen, wenn die Nutzungsberechtigten es verlangen.


§ 33 Umlage, Beiträge



(1) 1Der Forstbetriebsverband erhebt von den Mitgliedern eine Umlage, soweit seine sonstigen Einnahmen nicht ausreichen, um seinen Finanzbedarf zu decken. 2Die Umlage soll regelmäßig nach der Größe der zum Forstbetriebsverband gehörenden Grundstücke bemessen werden. 3Ein anderer Maßstab kann zugrunde gelegt werden, wenn dies angemessen ist.

(2) Der Forstbetriebsverband kann von den Mitgliedern für bestimmte Zwecke oder Leistungen Beiträge erheben.


§ 34 Aufsicht



(1) 1Der Forstbetriebsverband unterliegt der Aufsicht der nach Landesrecht zuständigen Behörde. 2Er bedarf der Genehmigung der Aufsichtsbehörde

1.
zur Veräußerung und Belastung von Grundstücken und grundstücksgleichen Rechten;

2.
zur Aufnahme von Darlehen und zur Übernahme von Bürgschaften.

(2) 1Im übrigen bestimmt sich die Aufsicht über den Forstbetriebsverband nach Landesrecht. 2Die Landesregierungen werden ermächtigt, durch Rechtsverordnung die Befugnisse der Aufsichtsbehörde im einzelnen zu regeln; sie können diese Ermächtigungen auf oberste Landesbehörden übertragen.


§ 35 Verbandsverzeichnis



1Der Forstbetriebsverband führt ein Verzeichnis der beteiligten Grundstücke, der Eigentümer und ihrer Stimmrechte. 2Die Landesregierungen werden ermächtigt, durch Rechtsverordnung Näheres über die Anlegung und Führung des Verbandsverzeichnisses zu bestimmen. 3Die Landesregierungen können diese Ermächtigung auf oberste Landesbehörden übertragen.


§ 36 Auflösung des Forstbetriebsverbandes



(1) Die Verbandsversammlung kann mit einer Mehrheit von mindestens drei Vierteln der Stimmen aller Mitglieder die Auflösung des Forstbetriebsverbandes beschließen.

(2) Der Beschluß bedarf der Genehmigung der nach Landesrecht zuständigen Behörde.